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Talkum in der Medizin

Medizin und Talkum – wie passt das zusammen? Auf den ersten Blick scheinbar nicht. Doch erinnern Sie sich noch an die Olympiade in London 2012? An den neuen Shootingstar der deutschen Turner, Marcel Nguyen? Kurz vor seiner entscheidenden Barren-Übung streute er sich ein weißes Pulver auf seine Hände. Dann turnte er die Übung seines Lebens – und gewann die Silbermedaille. Verbotenes Doping oder ein Medikament in Puderform? Nein – das war Talkum. Ein Puder mit vielen Eigenschaften, nicht nur im Sport oder bei der Körperpflege, auch in der Medizin.

Was ist eigentlich Talkum?

Talkum ist ein Mineral, ein Silikat genau genommen. Fein gemahlen ist es wasserabweisend, fühlt sich weich und leicht seifig (speckig) an, daher auch sein anderer Name Speckstein. Eigenschaften, die Talkumpulver vielseitig verwendbar machen, von der chemischen Produktion (Lacke) über die Lebensmittelindustrie (Trennmittel) bis hin zur kosmetischen Körperpflege (Fußpuder). In der Medizin wird Talkum bei lebensbedrohenden Lungenerkrankungen und neuerdings gegen Tumore eingesetzt.

Talkum rettet Leben

Ein sogenannter Pneumothorax ist lebensgefährlich. Dieses Krankheitsbild hindert die Lungenflügel an ihrer vollen Entfaltung bis hin zum Atemstillstand. In solch einem Notfall führen die Chirurgen eine Pleurodese durch, d. h. sie verkleben die Außenseite der Lunge mit der Innenseite des Brustkorbes. Denn wenn zwischen diese Pleurablätter, so nennt die Medizin diese beiden Seiten, Luft eindringt, fällt die Lunge durch den fehlenden Unterdruck in sich zusammen. Dem Patienten droht der Erstickungstod. Das Verkleben der Pleurablätter verhindert das erneute Einströmen von Luft. Dieses Verkleben erreicht ein spezielles steriles Talkum, das in Sprayform eingesetzt wird und über eine besonders große Körnung verfügt. Es wird ausschließlich für die Medizin hergestellt. Das Talkum führt zu einer Entzündung, die zur dauerhaften Verklebung der Pleurablätter führt und das erneute Eindringen von Luft verhindert.

Talkum gegen Tumor

Vor allem männlich Raucher erkanken an Lungenkrebs, der möglicherweise durch den medizinischen Einsatz von Talkum therapiert werden kann

Vor allem männlich Raucher erkanken an Lungenkrebs, dessen Wachstum möglicherweise durch den medizinischen Einsatz von Talkum  gehemmt werden kann.

Lungenkrebs zählt zu den gefährlichsten Tumorarten, vor allem rauchende Männer sind davon betroffen. Die Medizin arbeitet seit vielen Jahren an lebensrettenden oder lebensverlängernden Therapien. Vor einiger Zeit haben amerikanische Onkologen festgestellt, dass medizinisches Talkumpuder das Wachstum der Krebszellen hemmen kann, indem es deren Blutversorgung unterbricht. Beobachtet hatten die Mediziner, dass bei ihren Patienten nach einer Pleurodese-Operation die Lebensdauer durch den Einsatz des medizinischen Talkums um bis zu 18 Monate verlängert werden konnte. Die Lungenzellen wurden durch das Talkum angeregt, vermehrt Endostatin zu produzieren. Dieses Hormon schneidet die Tumorzellen von der körpereigenen Blutversorgung ab. Langzeitstudien werden zeigen, ob Talkum wirksam und nachhaltig gegen das Tumorwachstum hilft. Noch kein wirklicher Durchbruch, aber für die Medizin und ihren Kampf gegen den Lungenkrebs wieder ein wichtiger Schritt.